Praktische und erprobte Tipps fürs Lesenlernen: Ohne Druck und mit großer innerer Begeisterung

ABC Schützen heißen so, weil sie auf eine große Jagd gehen, oder? Jede Woche bringen sie neue Buchstaben zur Strecke, das ist ihr A und O. Und E und…

Das Lesen kann wie eine ewige Freundschaft sein, ein Zuhause, das zeitlebens bleibt. Der direkte Draht zum Wissen, zur Vergangenheit, in die Zukunft, der erste Schritt in die Welt der Fremdsprachen – und damit zu so vielen Menschen, Kulturen. Schätzen.

Und wie bei jedem guten Abenteuer stehen auf dem Weg zum Ziel Hürden im Weg, die faktischen wie Legasthenie und dann die – verzeiht – gänzlich überflüssigen und aufgeblasenen, zum Beispiel die Phrase vom „Ernst des Lebens“, die der Entdeckungslust in den Weg gestellt wird.

Weil alle Theorie grau wäre, erzähle ich Dir, wie bei uns die Buchstaben nicht nur in Hand und Hirn, sondern auch im Herzen eine Heimat fanden. Wenn Dir das vorkommt wie Bullerbü: Ist es ja auch. Aber soll ich’s deshalb nicht erzählen? Du weißt ja, wie es gemeint ist. Wir sind hier im Garten und nicht bei „Germany’s-next-Super-Parent, Hashtag „abgerechnet-wird-am-Zeugnistag“.

Auf geht’s.

Lass uns mal einen Moment lang so tun, als wären wir nicht allwissend weil erwachsen, sondern staunen wir, als sähen wir’s wie so ein motiviertes Kind, dem noch keiner Perfektion etc. eingeimpft hat: Das Lesen- und Schreibenlernen, das ist eine super große, super tolle, absolut spannende Herausforderung. Diese mysteriösen Zeichen sind so anspruchsvoll. Sie wollen erkannt, ausgesprochen und ordentlich aneinander gereiht werden. Und sie wollen in immer neuer Nachbarschaft leben, manche verändern dabei ihren Klang (s ist ungleich sch ist ungleich st).

Es gibt sie in groß und klein, schmal und rund. Und wer hat sich ausgedacht, dass das d die Spiegelung von b ist! Und dann nochmal nach unten, q und p. Quasi unerkennbar! (Und meist ähneln die großen und die kleinen Buchstaben einander nicht: Wo ist der Zusammenhang bei Q und q, A und a? Jetzt mal rein optisch?) Und dann die Satzzeichen. , ; : ? !

Und so weiter. Gleichzeitig gibt es jede Menge Ablenkung. Andere Medien zum Beispiel, die sich ihrem Publikum unkompliziert per Klick und Knopfdruck eröffnen, den Dopaminkick inklusive.

Die einzige Aufgabe

Damit aus dieser wunderschönen Vielfalt kein miesepetriger „Ernst des Lebens“ wird, brauchen die Kinder Motivation von innen. Ich gehe immer davon aus, dass die da ist und nur gefördert und geschützt werden will. Mehr als Fördern und Schützen muss ich nicht tun. Das aber darf ich tun. Und weil ich schon ein bisschen mehr Erfahrung habe als die Nachwuchsleserinnen, kann ich für Zusammenhänge sorgen, von denen die Kinder nicht wissen. Noch nicht.

Ich bin wie eine etwas nachlässige Brückenbauerin: Manche Brücken zum Lesen baue ich vollständig, manche nur halb und vertraue darauf, dass sie sie selbst fertigstellen können. Über diese Brücken erreicht das ABC den Verstand und die Motorik und kann auch direkt ins Herz hüpfen. Denn was geliebt wird, das wird gepflegt, und was gepflegt wird, das kann wachsen und gedeihen, ohne dass man daran ziehen müsste. Et voilà.

Verbündete Menschen, Dinge, Zeiten und Orte

In dieser Aufgabe bin ich nicht allein, sondern habe – einfach so – Verbündete.

Natürlich die Lehrerinnen: Sie geben sich alle Mühe.

Freunden und Verwandte, die auch mal nur zum Vorlesen vorbei kommen, oder vorbei kommen und dann auch vorlesen; genauso lese ich den Kindern vor.

Stofftiere, Figuren und Puppen sind Verbündete: Die selbst lesend herum sitzen. Oder als Zuhörer ganz besondere Fragen mitbringen. Versucht mal, was passiert, wenn Ihr einem Dinosaurier ein Buch vorlest, der hat ganz eigenwillige Fragen…

Es gibt Orte und Zeiten, die fürs Lesen reserviert sind. Da ist es gemütlich, einladend, da ist nur Zeit dafür eingeplant, wie heilig, und wenn das mal nicht klappt, ist es auch kein Drama. Kein Drama ist heiliger als heilige Zeiten und Orte.

Wenn wir unterwegs sind, ist immer irgendein Buch dabei. In der Picknicktasche, die gepackt mit Kissen und Decke bereit steht, ist auch immer irgendein Buch.

8 von x Büchern

In die Wortschatzkiste legte ich etwas zum Entdecken: Anfangs Buchstaben, später Silben, einzelne Worte und immer mal wieder etwas Kleines. wie eine Belohnung.

Ein Korb Bücher wird in der Bücherei immer wieder neu gefüllt und wir lesen daraus, mit Tee und Nüssen und Obst, gemütlich auf der Couch. Wenn ein Kinderbuch über Eisbären dabei ist, schaue ich zum Beispiel auch nach einer Doku über Eisbären, nach einer „WAS-IST-WAS“-CD zur Arktis oder einem Hörbuch. Das können sie sich dann holen, wenn sie Lust darauf haben, auf Blättern, Hören oder Schauen, und spielen. Eisbär.

Falls es bei Euch noch nicht so weit ist, dass die Kinder selbst lesen, und falls ihr zum x-ten Mal ein Buch vorlest, das ihr schon auswendig kennt und eigentlich gar nicht mehr hören könnt: Es macht so viel Sinn, dieses Auswendigkönnen.

Wenn sie sich – der eine früher, der andere später, aber doch -, einmal durchs Buchstabengestrüpp hindurch kämpfen, finden sie sich in auswendig bekannten Büchern so schnell zurecht. Es macht ihnen Spaß zu entdecken, dass sie die Worte, die da in einem Buch stehen, schon längst kennen und aussprechen können. Beschleunigt den Leseerfolg ungemein.

Diese Skulptur hat jemand geschaffen, der ebenfalls gern liest. Und vorliest: HIER

Viele Grüße aus dem Garten,

Maria

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