Kreisläufe, Verwerfungen und was wir tun können

Die Sonne hat schon durchblitzen lassen, dass sie in der nächsten Zeit öfter vorbei schauen will. Die Störche sind zurück und fliegen übers Haus wie Boten einer neuen Zeit, und doch uralt. Die Schneeglöckchen werden Jahr für Jahr mehr und Winterlinge: habe ich mittlerweile zwei, sie sind Begründer einer Dynastie, der ich beim langsamen Wachsen zusehe. (Das ist gedimmt, für alle, die ich überfordern würde, aber Dir kann ich es ja sagen: Ich kreische vor Freude, wenn die Winterlinge endlich so knallgelb, sattgelb, sonnengoldig aus der Erde schauen.)

Die Weide ist bereit zu blühen und braucht nur noch ein paar Schluck Sonne. Derweil laben sich die Bienen an den zarten Krokussen, die sich erst windschief und dann prächtig über die Wiese verteilen. Und die Stare sind zurück, schillernde Solisten, bei denen Probe und Auftritt eins sind. Wie es wohl unserer Luna geht, die wir vergangenes Jahr fanden, peppelten und auf den Weg in die Freiheit brachten? Ich hoffe sie brütet heuer zum ersten Mal.

Das alles ist Teil des ewigen Kreislaufs, den ich Jahr für Jahr mehr genieße, von dem ich ein Teil bin. Und Du auch.

Und dann sind da noch die menschengemachten Läufe, oft Verwerfungen. Wie schnell zerstört ist, was lang aufgebaut wurde, wird aktuell in der Ukraine schmerzhaft sichtbar, die von Russland überfallen wurde. Wie schnell Friede zerbrechen kann. Und was das bedeutet. Ich kann das gar nicht richtig fassen. Wie geht’s Dir damit?

Es gibt nicht viel, das wir dagegen tun können. Aber vieles, das wir füreinander tun können. Ich finde, dass konkrete Beispiele immer gut sind, deshalb erzähle ich Dir ein Erlebnis aus der vergangenen Woche (nicht um Dir Druck zu machen, oder noch schlimmer, Eindruck zu schinden, sondern weil es Dich vielleicht inspiriert. Und inspiriert bist Du so schön und stark und… ich mag das einfach sehr an Dir).

Ich stand in dieser Bäckerei, in der alles sehr gut schmeckt, war fertig mit meinem Einkauf und packte zusammen: Die Laugenstangen, die gefüllten und glasierten Krapfen, nochmal gefüllte und gepuderzuckerte Krapfen… Sehr langsam, weil Kopfweh. Aber ich hatte es ja auch nicht eilig.

Die Dame nach mir konnte sich nicht entscheiden: Jedes Brot, das sie wollte, war zu klein, um halb verkauft zu werden; und ganz war es ihr doch zu groß, „ich bin alleinstehend und brauche nicht so viel.“ Die einfache Lösung fiel mir ein und schenkte mir Leichtigkeit: Ich habe vorgeschlagen, dass wir doch zusammen jede ein halbes Brot kaufen könnten. Und so haben wir es gemacht, die Verkäuferin und wir Schwestern im Brote. Das Brot wurde geschnitten, alle waren beschwingt und am Abend – wenn doch an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten – haben wir ein gemeinsames Essen geteilt. Das war das beste Dinkelvollkornbrot meines Lebens, bisher.

Dass ich Dir davon erzähle, löst keinen Krieg. Aber vielleicht in Dir einen Knoten, den die Angst da geknüpft hat? Es gibt immer etwas Gutes, das Du tun kannst. Tun wir‘s?

Aktion Deutschland hilft, Nothilfe Ukraine: HIER

Viele Grüße aus dem Garten,

Maria

P.S.: Passt auf Eure Kinder auf. Und auf Euch. Schaltet auch mal ab, tankt Kraft und macht etwas, das Euch erholt. Draußen sein, etwas Überfälliges erledigen oder einen gemeinsamen Film ansehen, eine Ode an den Mut vielleicht? Den zweiten Teil von “Sing“ haben wir ein paar Wochen im Kino gesehen (Kinotür auf, Wagenladung Kinder rein, Kinotür zu) und können ihn empfehlen, später Teil 1 daheim, was auch sehr gut war: HIER

Und weißt Du woran man erkennt, dass man recht ländlich wohnt? Die freundliche Kinobesitzerin ruft an und fragt, wann Du Lust hättest auf den Film, über den Ihr gesprochen hattet, sie könnte ihn da oder da ins Programm nehmen. „Wann passt es Ihnen denn gut?“ Es ist alles gleichzeitig. Deshalb: Fokus auf das Gute, das Du JETZT tun kannst. Es ist viel.

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