Entdeckung der Langsamkeit

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Als ich an einem Donnerstag im Dezember 2021 fröhlich rodelte, weil Schnee! Mit Kindern, Hund und Geschwindigkeitsrekorden, wusste ich noch nicht, dass ich 24 Stunden später nach einer durchwachten Nacht voll Schmerzen ins Krankenhaus gebracht werden würde: Verdacht auf Blinddarmentzündung.

Es folgten Vollnarkose, Operation mit Planänderung, weil dann doch nicht Blinddarm, und eine Nacht der Schmerzen, in der ich nach der dritten Ladung Schmerzmittel immer noch litt und fragte, woran wir merken würden, ob die inneren Nähte platzen und ich verblute? Die Krankenschwester, die sich so gut kümmerte, drückte meine Hand und kam ab da regelmäßig zum Blutdruckmessen vorbei. Daran also, dachte ich. War es eine Vorsichtsmaßnahme? War es nur zur Beruhigung? Es war auf jeden Fall eine Wohltat und ich konnte endlich geborgen und erschöpft einschlafen, statt festgekrallt von der Angst zu bangen und zu zittern.

Ich dachte in diesen Stunden: Wenn es das gewesen sein sollte, dann wäre das ein wirklich jämmerliches und irgendwie überflüssiges Ende für ein wirklich sehr erfülltes Leben. Und wieviel ich vorgehabt hätte. Alt werden zum Beispiel.

Ich war in diesem Moment traurig und dankbar gleichzeitig, und so froh, als ich am Morgen müde aufwachte. Ab da ging alles ganz langsam bergauf, mit Betonung auf: langsam. Viel Ruhe. Die Entdeckung der Langsamkeit. Mit sehr eingeschränktem Bewegungsradius.

Eigentlich wissen wir es doch alle, und doch wurde mir in diesen Momenten sehr bewusst, wie kostbar, unwiederbringlich und einzig die Lebenszeit ist, die uns geschenkt wird. In einem Umfang, den wir nicht kennen. Jeder Moment kostbar. Hattet Ihr auch schon solche Erlebnisse? Einen Moment, der sich wie eine Wende anfühlte und das „Carpe diem“ seine ganze Macht entfaltete?

Die Endlichkeit ist zentrales Thema von Religionen, Kunst, all diesen wunderbaren und oft wunderlichen Formen des Verstehens und Begreifens unseres Lebens. Deshalb sind Kunst und Religion, wenn man sie annehmen kann, für uns Menschen auch so wichtig. Und da die Kinder die Geschichte von „Momo“ noch nicht kennen, den Klassiker von Michael Ende, nehmen wir uns dafür nun jeden Abend bis in die Puppen Zeit. Es sind ja Ferien, da ticken die Uhren anders, und noch dazu sind die Raunächte, da ist sowieso alles Innen.

Und wie sehr ich das genieße? Unendlich.

Momo, als Buch: HIER

Momo, als Hörbuch: HIER

Momo, als Film: HIER

Sterndlwerfer: HIER

Der schnellste Bob aller Zeiten, der ein Leben lang hält und nur minimal Schnee unter sich braucht: HIER

Kommt gut rüber ins neue Jahr.

Lasst uns jede einzelne Begegnung feiern,

jede Möglichkeit, diese kostbare Zeit zu gestalten, ganz bewusst und leicht und froh.

Liebe Grüße aus dem Garten,

Maria

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. noir sagt:

    Oh je! Den Mist hatte ich an Anfang diesen Jahres! 😦 Gute Besserung und Dir auch einen guten Rutsch ins neue Jahr!

    Gefällt mir

  2. Oh, gute Besserung. Und ja, das kenne ich. Inklusive dem Aufwachen und eine Schwester zieht die angewärmte Moltondecke höher und passt auf. Da weinst du plötzlich.
    Alles Gute und mach schön sachte!!!

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