Weniger Stress mit Kindern, Teil II

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Kinder neigen dazu zum Mittelpunkt von allem zu werden. Weil sie süß sind, weil sie gemütlich und unterhaltsam sind, und wenn sie das nicht sind, dann weil sie mit vollem Repertoire Aufmerksamkeit einfordern. EINFORDERN! EIN-FOOOOR-DEEEERN!

Wie so ein Job. Wie so ein Hausbau. Wie so ein nervender Mensch. Nur ein bisschen heftiger, weil den Job könnte jemand anderer erledigen, das Haus jemand anderer bauen und den nervigen Menschen könnte man stehen lassen. Geht bei Kindern nicht. Geht echt nicht. Volle, totale Verantwortung, weil Eltern = Für immer.

Für die kleinen Dinger macht das Einfordern Sinn. Sie können nicht anders, denn sie sind so unverfälscht nah dran an unser aller Steinzeit. Sie instinkten, dass sie ohne ihre Herde zu Säbelzahntigerfutter würden. Deshalb müssen sie dauernd, immer wieder und absolut unmissverständlich sicherstellen, dass sie ausreichend geschützt sind.

Problem nur: Wenn die Herde, wie das heute meist der Fall ist, aus nur einer Elternzeit nehmenden Person besteht, dann ist das fordernde Kind für diese „Herde“ stressig. Wenn das Umfeld dann nicht sowas Spannendes wie z.B. Körbe flechten, Jagen gehen, Steine stapeln ermöglicht (weil unser Alltag von analog auf digital gewechselt hat), dann ist es nochmal schwieriger. Und die Säbelzahntiger von heute sind auch nicht mehr das, was sie mal waren – was uns bedroht, ist – bis auf schnelle Autos – diffus.

Hinzu gesellt sich der Konsum, eine ganze Angstindustrie, die uns Bedürfnisse einredet und dazu passende Dinge anbietet. Für jeden die passende Story. Eltern wird gern erzählt, dass sie ihr Kind schützen müssten (vor Keimen und Verhungern, mit Sagro-irgendwas und Milchpulver). Die Angstindustrie erzählt uns, dass ihre Produkte uns Halt geben würden, wie Korsagen, tatsächlich will sie uns aber schwächen, einengen, zuschnüren, damit wir in der Folge auch noch ein Sauerstoffgerät und zwar in rosa, gold oder weiß in Erwägung ziehen, außerdem Rouge gegen fahle Blässe. Von allen Reklamewänden, ob analog oder digital, schreit es uns entgegen: Du brauchst jenes und dieses, das musst du tun und lassen und wenn nicht, dann… !!!!

Puuuuh. Puuuuuh.

Als mir das bewusst wurde (war es nachts, als das Kind schon wieder schrie? Oder tags, als ich selbst im Stehen hätte einschlafen können – wenn ich nur nicht so viel auf Trab gewesen wäre und Zeit gehabt hätte zu stehen?), jedenfalls war es an einem Punkt, an dem mir außer Inspiration echt nichts willkommen war.

Da habe ich eine Entscheidung getroffen:

Dass ich mich nicht stressen lasse. Nicht mal vom süßesten, gemütlichsten und schreiendsten Kind aller Kinder. Von keinem Job, keinem materiellen Gut, keinem nervigen Menschen, keiner anstrengenden Situation. Nicht mal von Gefühlen. Warum?

Weil mich das nicht wirklich beeinflusst. Gar nicht. Weil ich meine Lebenszeit nicht damit verbringe wie ein Spielball hin und her geworfen zu werden. Das passt einfach nicht. Und weil ich eine viel bessere Orientierung kenne.

Dafür habe ich ein Bild, dassich gern mit Dir teile, weil es bei mir über Jahre hinweg so viel Gutes bewirkt hat und weil ich denke, dass es universell ist.

  1. Meine Mitte ist die Liebe.
  2. Kein Kind, kein Job, kein Ding, keine noch so fordernde Situation.
  3. Ich weiß, dass ich weiß, was die Liebe ist.
  4. Du weißt übrigens auch, was die Liebe ist.
  5. Auch wenn ich es gerade vergessen haben sollte oder denke, dass ich das nie spüren kann, oder sonst so einen Quatsch.
  6. Ich kann die Liebe aus dem Sichtfeld verlieren. Ich kann ihre Existenz sogar leugnen. Ich könnte mich grämen oder ärgern, sogar toben, wüten, einen Krieg anzetteln, mich wie so ne AfD in Ausgrenzung, Hass oder sonst einem ekligen Gefühl suhlen. Ändert alles nix. Die Liebe ist immer da.
  7. Immer. Immer. Immer.
  8. Immer.
  9. Also kann ich auch durchatmen und entspannen.
  10.  Was die Sonne für die Erde ist, ist die Liebe für mich. Sie ist der Mittelpunkt. Sonst nichts. Keine Aufgabe, kein materielles Gut, kein anderer Mensch, nicht ich selbst, nicht mal meine Träume, Hoffnungen, Ängste.
  11. Ich bin evolutionär bedingt die Mitte meiner Kinder, sie kreisen um mich, wie das der Mond um die Erde tut.
  12. Sie sind aber kein Mond, sondern kleine Erden, irgendwann lösen sie sich aus meiner Umlaufbahn. Und dann werde ich nicht mehr ihre Mitte sein.
  13. Denn ihre eigentliche Mitte ist die Liebe.
  14. Ist ja klar.
  15. Nicht weil ich es will, nicht weil ich es ihnen beibringe, nicht weil mir das gerade einfällt, sondern weil es einfach so ist und nicht anders sein kann.
  16. Und deshalb kann uns Nichts aus der Ruhe bringen. Nichts.

Dieses Bild hat großen Einfluss auf unseren Alltag. Wenn jemand oder eine Situation herum schreit und so an meiner inneren Achse rüttelt und zerrt und zieht, rührt mich das nicht, denn was mich auf Kurs hält ist viel größer und stärker.

Was soll schon passieren?

Mein Kind wird – so wie ich – immer alles passend und genau und wunderbar erleben. Es wird gefordert sein, und immer stark genug und stärker, um seine Herausforderungen nicht nur zu überstehen, sondern zu meistern. Es wird nicht darauf ankommen, ob es jetzt schon das kann oder jenes oder jenes noch nicht und das auch noch nicht. Das ist unwichtig. Wichtig ist nur, dass wir erkennen, uns in Erinnerung rufen, was uns auf Kurs hält. Dieses Erinnern selbst ist nicht anstrengend, sondern allerschönst.

Die Liebe ist so groß und so stark, dass sie alles von allein auf Kurs bringt.

Das entlastet mich, denn ich muss nichts tun. Mich weder anstrengen, voran zu kommen. Noch anstrengen nicht stehen zu bleiben oder rückwärts zu gehen. Ich muss nicht fürchten, dass die Kinder ohne mich kein Lot hätten. Ich kann mich darauf konzentrieren ihnen zu zeigen, wie man sich der Liebe zuwenden kann, nach ihr ausrichten, in ihrem Licht leben. Das ist nicht wenig Arbeit, keine geringe Aufgabe, fordert zwar, ist dabei aber immer schön und selbstverständlich.

Das ist eine Gewissheit, für die ich mich nicht nur einmal entschieden habe, sondern die mich immer wieder und wieder dazu motiviert mich ihr zuzuwenden. Und je öfter, desto schöner und leichter und kraftvoller wird unser Flug, das Fetzen, das Wirbeln und Drehen und Tanzen durchs All, durchs Nichts, das wir mit Inhalten im Zeichen der Liebe füllen.

Mein Kind hat einen Tobsuchtsanfall? Den hat es, weil es von Gefühlen geflutet ist. Die Angst lädt mich ein mit in diese Flut hinein zu springen, in dem ich mich frage, woher das wohl kommt, ob das wohl gesund ist, ob ich wohl etwas falsch gemacht habe. Der Mut rät mir ruhig zu bleiben. Also setze ich mich daneben oder etwas abseits und warte liebevoll darauf, dass mein Kind zur Ruhe kommt. Und dann dürfte es durstig sein, oder hungrig, weil so eine Gefühlswelle zu reiten ist super anstrengend, und vielleicht will es sich auch kuschelnd vergewissern, dass ich sein Fels in dieser Brandung bin. Auf dieser Basis lässt sich der Auslöser für die blöde Gefühlswelle klären. Und wie wir damit umgehen. Liebevoll.

Stell Dir mal vor, um Dich ist jemand, der Dich ermutigt. Stell Dir vor, dass Du selbst für jemanden dieser ermutigende Mensch sein kannst. Und jetzt stell Dir vor, dass Du jetzt sofort Dich selbst ermutigen kannst. Das ist die größte Veränderung, und dafür musst Du nichts erst kaufen oder besorgen oder so. Nur der Liebe zuwenden, in ihr echten Halt finden. Und dann von Innen leuchten, mit der Sonne um die Wette.

Viele Grüße aus dem Garten

Maria

 

 

 

 

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