So werde ich Angst los

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Es gibt da etwas, worüber Du eigentlich nicht sprichst, Deine Angst. Du hast sie und versuchst sie zu überwinden oder zu verdrängen, traust Dich aber nicht über sie zu sprechen, zumal Du ahnst, dass Du die meisten damit überfordern würdest. Oder Du findest nicht die passenden Worte, und hat nicht jeder sein Päckchen zu tragen? Oder Du hast es versucht. Und die Angst verschwindet trotzdem nicht, ist noch gewachsen?

So ging’s mir auch. Mir hat die Angst manchmal die Luft genommen und ich war in so tiefer Dunkelheit, dass ich mir nicht vorstellen konnte, wie’s überhaupt weiter gehen würde. Ich dachte, ich müsste mich mit einem Leben nah am Ersticken abfinden, weil’s für mich nicht anders geht. Weil die Dunkelheit undurchdringlich ist. Weil ich dunkel bin? Quatsch, weiß ich jetzt, damals war aber alles ganz, ganz ernst.

Die dunkle Zeit ist nun vorbei, worüber ich so froh bin, dass ich nicht gehe, sondern schwebe, nicht sitze, sondern throne, nicht rede, sondern sprudle. Und so bei Licht erzähle ich gern, warum die Dunkelheit vorbei ist, damit Du Hoffnung und Kraft schöpfst. Es gibt für Dich ein Übermaß an Stärke, Weisheit und Schönheit, und wenn Du willst, begleite ich Dich dorthin. Du musst dafür nichts tun, nichts bezahlen, keine Voraussetzungen erfüllen, nur lesen.

Ich sage nicht, dass mein Weg der beste und für alle gültige ist, aber vielleicht inspiriert er Dich und gibt Dir Kraft. Und wenn er Dir nur die Kraft gibt, um andere um Hilfe zu bitten. Denn ganz klar ist, und daran bitte ich Dich auch bei größter Dunkelheit zu denken, dass Du kostbar bist und jede Hilfe verdienst, einfach so deinetwegen. Und damit fange ich jetzt an.

Bereit?

Mein Weg ist, dass ich Angst, Mut und Schwung als Teile meiner Persönlichkeit verstehe, die alle gleichermaßen ihre Berechtigung haben. Angst ist nicht mein Gegner, Mut allein nicht mein bester Begleiter und Schwung kommt nur, wenn die anderen beiden ihre Aufgaben erledigt haben.

Früher hat Angst mich in den Schwitzkasten genommen und mich nicht mehr freigelassen. Sie hat mir höchst überzeugend und mit perfekter Argumentation erklärt, warum alles Gute den Bach runter gehen wird, das Meiste nur scheinbar gut ist und schlussendlich das Schlechte siegen wird. Sie ist Meisterin darin, die passenden Erfahrungswerte, Wahrscheinlichkeiten und Hochrechnungen aus den Kisten meiner Erinnerung zu zerren, zu stimmigen Horrorszenarien zu arrangieren (und zwar Dolby Surround, in Farbe und Bewegtbild). Sie nährt meine Zweifel und Unzufriedenheit und kann sich nichts Schöneres vorstellen, als mich mit schlechten Gefühlen, Gedanken und Gewohnheiten zurückzulassen. Ein wenig Panik? Schmeckt ihr! Atemnot? Lässt sie tief durchatmen! Und sie verbarrikadierte alle denkbaren Auswege, so dass ich mich fühlte wie in einem Loch, zu tief, um entkommen zu können. Ich habe sie lange gewähren lassen, wie so einen Vampir.

Angst ist nicht weg. Aber ich habe gelernt mit ihr umzugehen. Ich weiß, wo sie lauert, und sehe ihr nicht mehr mit Misstrauen entgegen. Denn:

Heute wecke ich, sobald Angst auch nur gedenkt sich zu überlegen bei mir vielleicht mal wieder anzuklopfen, Mut auf. Mut schläft gern, weil er findet, dass er immer maximal ausgeruht sein sollte, ich kann ihn aber jederzeit wecken. Er neigt dazu sich beim Analysieren der Situation entspannt zurück zu lehnen. Er greift alles auf, was Angst thematisiert, und klärt konkret, wie man den Befürchtungen entgegen treten könnte. Er macht das klar, strukturiert und ein wenig stur, so auf die Art, wie kleine Kinder andere dazu bringen sich nur um ihre Belange zu kümmern, und um nichts anderes. Da kann Angst sich noch so aufregen, zum Schluss hat sie nichts mehr einzuwenden und mault nicht mal mehr rum. Mut ist auch ein wenig altklug und genießt es sehr, wenn Angst unterliegt.

Wenn Mut und Angst miteinander fertig sind, könnte man meinen, dass alles erledigt wäre – Happy end, weil Weiß hat Schwarz besiegt. Aber das stimmt nicht. Denn was noch fehlt, ist die Poesie! Und so kommt – immer pünktlich, immer anders und völlig unvorhersebar Schwung herein. Schwung ist ein Freigeist, manchmal weiblich, manchmal männlich, mal klein, mal groß, immer träumend, genial chaotisch mit völlig überrumpelnden Assoziationen und Einfällen. Schwung in seinen oder ihren vielen Gestalten sorgt für Glanz und Leichtigkeit. Kennt zigtausende von Adjektiven und Verben, liebt Farben, Formen und Texturen und könnte ewig so weiter spielen, wenn er oder sie nicht auch noch woanders zu tun hätte. Wie ein Windstoß, ein Sonnenstrahl, pur und lebendig und mit maximaler Wirkung.

Angst und Mut schauen zu, was dieses Phänomen zustande bringt, und sind jedes Mal wieder begeistert, weil sie das so allein nie hinbekommen hätten. Angst vergisst unglaublich zu nerven. Und Mut ist nicht mehr so unglaublich vernünftig. Und beide scheinen jedes Mal mehr zu kapieren, dass sie als Team die Grundlage für das Wirken von Schwung geschaffen haben.

Keiner der drei – Angst, Mut und Schwung – würde mir allein viel nützen. Ohne Angst wüsste ich nicht, wovor ich mich wappnen sollte. Ohne Mut wäre ich verzweifelt. Ohne Schwung würde ich nicht sehen, was für das Auge unsichtbar ist.

Die drei zusammen aber, mein inneres, unschlagbares, perfektes Triumvirat, sind das Geheimnis, warum ich guter Dinge bin, dass mir so schnell nichts mehr etwas anhaben kann.

Und genau das wünsche ich Dir auch: Zu jeder Angst den Mut für Schwung.

Deshalb erzähle ich hier künftig anhand konkreter Beispiele von den drei inneren Musketieren. Du solltest vorsichtig sein, denn es kann gut sein, dass Du selbst noch viel bessere Beispiele erleben wirst. Aber das nehme ich sowas von liebend gern in Kauf.

Viele Grüße aus dem Garten

Maria

 

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. letternwald sagt:

    Es stimmt, ein schöner Beitrag. Bei mir sind es vor allem die Selbstzweifel: Unsere neue Wohnung haben wir lange geplant, gestern ging es los mit zwei neuen Zimmerdecken von Profis, zwei neuen Sofas, anderen Möbeln, etc. Alles theoretisch fertig, die Familie mit kritischem Auge immer eher beobachtend, ‚teuer, teuer‘, ein Nachmittag voller Magenschmerzen und dann, um 20.30 Uhr ist genau das eingetroffen, was wir geplant und gewollt haben. Manchmal muss man es einfach durchziehen. Man darf sich von außen nicht zu viel gefallen lassen, etwas, das mir immer noch Angst macht. Viele Grüße!!

    1. Maria sagt:

      Beschwingtes Wohnen, viel Freude daran!

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